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"Eider - Ein Flusszyklus"
Die Eider ist für mich nicht nur Landschaft, sondern Sinnbild eines menschlichen Eigennutzes ohne Berücksichtigung kultureller und ökologischer Belange. Seit über 600 Jahren greifen Menschen durch Deiche, Abdämmungen, Kanäle und Sperrwerke in ihren Wasserhaushalt ein. Jeder Eingriff brachte kurzfristige Vorteile – Schutz vor Sturmfluten, Nutzbarkeit des Landes, bessere Schifffahrtswege – doch langfristig entstanden neue Probleme: Versandung, Verlust von Lebensräumen, ökologische Schäden und eine immer größere technische Abhängigkeit. Gerade diese Ambivalenz inspiriert meine Malerei. Der Fluss bildet seit vielen Jahren den geographischen und atmosphärischen Kern meiner malerischen Arbeit. Vom engen Winterraum der Oberläufe bis zur Öffnung an der Eidermündung folgt die Serie der Bewegung des Flusses und untersucht seine Landschaftsräume in unterschiedlichen Zuständen. Die Werke verbinden eigene Beobachtung mit einer reduzierten, zeitgenössischen Form der Realismus-Malerei. Es geht mir um Licht, Tiefe und atmosphärische Verdichtung – aber auch um Übergänge, Veränderungen und Identität. Jedes Bild markiert einen Abschnitt und eine Stimmung, ohne anekdotisch zu sein. So entsteht eine malerische Reise, die Landschaft als Erfahrungsraum und als zeitlichen Prozess begreift und in Auszügen hier wiedergegeben wird.
Das Zusammentreffen von zwei Gewässern erzeugt für mich eine stille dynamische Spannung im Knotenpunkt. Die lange, ruhige Uferlinie lenkt den Blick in den Mittelgrund und öffnet die Komposition räumlich. Die Interaktion von Wasser- und Himmelfläche verstärke ich durch die grelle Lichtreflexionen und atmosphärische Transparenz im Luftraum.
Hier bringe ich die Verbindung von Land, Wasser und offener Weite ins Bild. Die Horizontlinie wird zum zentralen Strukturmerkmal, das den Raum nach außen öffnet. Der Wechsel vom Binnenraum zur offenen Weite bestimmt so die Komposition.

